Cultures Interactive im August 2026
NEWSLETTER August 2026

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Graffiti-Workshop in Dachau

cultures interactive im August 2026

 
Liebe Leser*innen,

die Debatte über die Zukunft des Förderprogramms „Demokratie leben!“, von dem auch unsere Arbeit sehr abhängt, ist hoch dynamisch. Dazu wollen wir in unseren Newslettern mit fachlichen Hinweisen und Erläuterungen beitragen, die für Fragen der bundesweiten Demokratieförderung und Extremismusprävention in der heutigen Zeit wichtig sein könnten.

Hierzu hatten wir zuletzt mit einem kleinen, halbfiktiven Zwiegespräch über die gegenwärtige Stimmung unter uns langjährigen bundesweiten Trägern von „Demokratie leben!“ begonnen, über dessen weiteren Verlauf wir in einem der folgenden Newsletter Auskunft geben werden. Hinzu kamen Empfehlungen zum Handlungsbereich Schule & Bildung. Der anschließende Newsletter handelte dann darüber, wie wichtig es ist, eine breite und manchmal stille Mitte der Gesellschaft zu erreichen – und welche Formate für Dialog und brückenbildende Gespräche hierfür bereits bestehen, sowohl online als auch für die lebensweltlichen Sozialräume offline.

Heute wollen wir an unsere Reihe von fachlichen Eingaben an DL! anschließen, die wir im Vorfeld der neuen Förderrichtlinie für das Bundesprogramm angefertigt und dem Ministerium zugestellt haben. Die Eingabe Nr. 1 galt dem Handlungsbereich Schule & Bildung; die Eingabe Nr. 2 befasste sich mit Online-Maßnahmen. Unsere Eingabe Nr. 3 (siehe unten) fasst wichtige methodische Gesichtspunkte im Prisma der Rechtsextremismusprävention zusammen.

Einen besonders großen Bedarf zeigt sich derzeit für uns an Dialogbefähigung und einem Raum für brückenbildende Gespräche. Dem gehen wir aktuell in verschiedenen Projekten und Fortbildungen nach, von denen wir Ihnen eine Auswahl in diesem Newsletter vorstellen wollen.

Herzliche Grüße
das Team von Cultures Interactive

Projektabschluss: „Wir müssen reden!“

Auch in der Berliner Jugendarbeit sind wirksame Dialogräume nötig und die Fähigkeit, Gespräche mit und zwischen Jugendlichen zu ermöglichen. Das zeigt sich insbesondere bei ideologisch häufig aufgeladenen Themen wie Fragen rund um Geschlecht und Gender, Abwertungshaltungen in der Migrationsgesellschaft oder dem sogenannten Nahostkonflikt. Um die Dialogkompetenzen von Berliner Jugendarbeiter*innen zu fördern, haben wir in den letzten zwölf Monaten das Projekt „Wir müssen reden!“ durchgeführt. Dafür haben wir zunächst – in engem Austausch mit pädagogischen Fachkräften aus den verschiedenen Berliner Bezirken – die aktuellen Bedarfe der Jugendarbeiter*innen eruiert und dann vier Fortbildungen zu besonders kontrovers diskutierten Themenfeldern erprobt. Sie sollen es Jugendarbeiter*innen ermöglichen, auf angemessene und wirksame Weise mit Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Wir bedanken uns herzlich bei allen Kooperationspartner*innen und insbesondere beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin für die Förderung der Fortbildungsentwicklung. Alle vier Fortbildungen können im Berliner Raum gebucht werden.

Mehr zum Projekt und den Fortbildungen
 
Zwei Personen im Gespräch

Foto: istock / Portra

Dialog im Gegenwind

Fortbildung am 14./15. Oktober 2026 in Berlin
Wenn sich in Diskussionsrunden unterschiedliche Meinungen in unversöhnlicher Weise gegenüberstehen, kann das für politische Bildner*innen und Moderator*innen herausfordernd sein. Beispielsweise, wenn sich einige Jugendliche und Erwachsene auf Informationsquellen berufen, die andere kategorisch als unglaubwürdig ablehnen. Oder wenn Gespräche über demokratische Grundwerte von vornherein als ideologische Umerziehung abgelehnt werden. In einer zweitägigen Fortbildung vermittelt cultures interactive deshalb praxisnahe Strategien, um in solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Dafür werden auch Kompetenzen der (Erst)Reaktion auf Störungen praktisch erprobt.

Alle Infos zur Fortbildung
 
Rechtsextremismusprävention schafft ‚Demokratie-Orte‘, off- und online

Unserer Erfahrung nach ist es in Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung essenziell, Off- und Onlinemaßnahmen eng miteinander zu verzahnen, damit individuell-wirksame Veränderungsimpulse entstehen. Zugunsten von Zielgruppenerreichung und Nachhaltigkeit sollten dabei unbedingt neue Modi einer engeren Zusammenarbeit mit Schulen gefunden und mutig erprobt werden. Insbesondere die gute Wechselbeziehung zur kommunalen Familien- und Jugendhilfe bzw. zu den psychosozialen Diensten erhöht die Wirksamkeit – vor allem in der aufsuchenden sekundärpräventiven Arbeit mit gefährdeten oder bereits affizierten Kindern und Jugendlichen. Dabei kann der vermehrte Einbezug von außerschulischen Fachkräften in die Arbeit der Schulen eine niedrigschwellige Relaisfunktion herstellen – und zudem eine intensivere Beteiligung der Jugendlichen an den unterschiedlichen Diskursen vor Ort in der Kommune, aber auch online fördern. Dies trägt zudem zu einer größeren Verschränkung von non-formalem Erfahrungs- und Gesprächslernen mit formalem Unterrichtslernen bei – und erhöht die Lernmotivation der Kinder und Jugendlichen. Damit diese Erfahrungen aus unserer Arbeit sich auch in der kommenden Förderrichtlinie des Programms „Demokratie leben!“ wiederfinden, haben wir eine entsprechende Eingabe formuliert.

Eingabe Nr. 3 an „Demokratie leben!“
 
Graffiti auf einem Container
Jugendkulturworkshops in Dachau

Im Juli waren wir mit unserem Jugendkulturteam an einer Schule in Dachau zu Gast. Dort konnten sich die rund 150 Schüler*innen des zehnten Jahrgangs drei Tage lang in Rap, Graffiti und Parkour ausprobieren. Die Jugendlichen waren mit großer Begeisterung dabei und sichtlich dankbar für die Möglichkeit, sich in den Workshops über das, was sie bewegt, auszutauschen und ihre eigenen Themen jugendkulturell zu bearbeiten. Die Workshops der Fachstelle Rechtsextremismusprävention fanden statt in Kooperation mit dem Kreisjugendring Oberbayern und der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau. Möglich gemacht wurden sie auch durch eine großzügige Spende von Armed Angels, die wir im letzten Jahr erhalten haben.

 
Extremismusprävention in der nicht so stillen Mitte – den Schulen

Ein lebendiger bürgerschaftlicher Dialog in der Mitte unserer Kommunen und Bezirke stellt eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Demokratie dar. Umso wichtiger ist das Erlernen dieses Dialoges bereits in der Schule. Jedoch ist auch im Sozialraum Schule die – oft recht laute – gesellschaftliche Mitte inzwischen immer mehr zu einer bitter und gewaltsam umkämpften Konfliktzone geworden. In der gerade erschienener Fallstudie: „‘Hitler ist geil!‘ – zum Verlauf einer Narrativen Gesprächsgruppe an einer Förderschule“ – zeigen Harald Weilnböck, Emma Rühlmann und Lena Kristina Schmidt, wie es mit einem niedrigschwelligen, aber intensivpädagogischen Verfahren gelingen kann, auch unter schwierigen Voraussetzungen demokratische Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Deutlich wird dabei jedoch auch, dass dergleichen niedrigschwellige intensivpädagogische Verfahren zu einem grundlegenden curricularen Element der Regelstrukturen von schulischer Bildung und Erziehung werden müssen – und zwar einem, das die Lehrkräfte vor Ort entlastet und unterstützt.

Artikel als PDF
 
Online-Befragung zu Antisemitismus im Kontext Schule

Umfrage der Hochschule Niederrhein
An dieser Stelle möchten wir auf eine Umfrage unserer langjährigen Beirätin Prof. Dr. Beate Küpper hinweisen: Fachkräfte aus verschiedenen Praxisfeldern der Arbeit mit Jugendlichen sind herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Bedarfe zum Thema Antisemitismus in der Arbeit mit jungen Menschen zu teilen. Die Online-Befragung ist freillig und anonym und dauert ca. 30 Minuten. Die Teilnahme ist möglich bis zum 15. September. Die Umfrage findet statt im Rahmen des Projekts „Antisemitismus im Kontext Schule. Perspektiven von jüdischen und nicht-jüdischen Jugendlichen, Lehrkräften und der Sozialarbeit“.

Zur Umfrage
 
Connectors e. V.: Connecting Perspectives Across the Danube

Der Verein Connectors e. V. sucht für sein erstes Projekt Teilnehmende aus Jugendarbeit, Bildung oder Zivilgesellschaft, die Interesse an Dialogarbeit, Peacebuilding und internationalem Austausch haben. Connectors e. V. möchte engagierte Menschen aus verschiedenen Ländern des Donauraums zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit bieten, neue Perspektiven und praktische Ansätze für Friedensarbeit, Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt kennenzulernen und sich international zu vernetzen. Die Bewerbung ist möglich bis zum 10. September 2026.

Zur Ausschreibung

Die Fachstelle Rechtsextremismusprävention von Cultures Interactive wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Für inhaltliche Aussagen und Meinungsäußerungen tragen die Publizierenden dieser Veröffentlichung die Verantwortung.

cultures interactive e.V.
Verein zur interkulturellen
Bildung und Gewaltprävention


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