Cultures Interactive im Mai 2026
NEWSLETTER Juni 2026

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cultures interactive im Juni 2026

 
Liebe Leser*innen,

über ‚Demokratie Leben!‘ (DL!) war letztens viel zu hören – darunter auch Missverständliches. Hierzu gehören immer auch Befindlichkeiten. Deshalb haben wir im letzten Newsletter davon berichtet, dass uns häufig die Frage gestellt wird: „Wie geht es euch eigentlich gerade so bei ‚Demokratie leben! – als ehemaliger bundesweiter Fachträger?“ Über die Antwort werden wir, wie versprochen, in einem unserer kommenden Newsletter erzählen!

Umso wichtiger für die Zukunft von DL! sind jetzt die sachliche Debatte, Qualitätsentwicklung und allseitiger Dialog. Deshalb wollen wir Ihnen – wie gesagt – in der kommenden Zeit häufiger als zuvor unseren Newsletter zusenden. Darin weisen wir auf verschiedene fachliche Gesichtspunkte hin, die u.E. für DL! und dessen neu entstehende Förderrichtlinie relevant sein könnten, so hier unten in unserer DL!-Eingabe zum Handlungsbereich Online-Maßnahmen – oder im letzten Newsletter zu Schule & Bildung.

Besonders wichtig für den Dialog sind Bürger*innen, die aktuell häufig als ‚stille Mitte‘ bezeichnet werden – weil sie sich von den gängigen politischen Diskursen wenig angesprochen fühlen und sich keinem politischen Lager fest zuordnen möchten. Diese Menschen für Dialog und Demokratie-Engagement zu gewinnen, sollte tatsächlich ein wichtiges Gebot der Stunde sein – und viele Projekte in unserem Feld widmen sich genau dieser Aufgabe auf vielfältige Weise. Denn gesellschaftliche Spaltung, Polarisierung und wechselseitiges Unverständnis bestimmen seit vielen Jahren das soziale Leben – was durch demokratiefeindliche Kräfte aus dem In- und Ausland systematisch angetrieben wird, besonders online.

Deshalb erhalten die Formate der Dialogbefähigung, die cultures interactive e.V. seit langem für Jugendliche und Erwachsene entwickelt, heute vermehrte Aufmerksamkeit. So konnten kürzlich zwei neue Dialogformate hinzukommen – eines für die soziale Interaktion im kommunalen Offline und ein weiteres für den Onlinebereich.


Herzliche Grüße
das Team von Cultures Interactive

Brückenbildende Gespräche – aus Sorge um Demokratie und dem Wunsch zu verstehen

Angesichts des dringenden Bedarfs, neue Formate von Gespräch und Demokratie-Engagement bereitzustellen, haben wir unseren seit 2012 bestehenden Schwerpunkt auf Dialogformaten verstärkt. Hieraus ist kürzlich u.a. die BrüG-Initiative© hervorgegangen. BrüG bietet ein methodisches Verfahren der gezielten Belebung des demokratischen, sozialen Austauschs in der Gemeinde. Es werden demokratiebesorgte Bürger*innen einer Kommune ermuntert, vorbereitet und begleitet „brückenbildende Gespräche“ mit Personen ihres engeren und weiteren Umfelds zu haben. In ihrer Sorge um Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen sie gerade auch diejenigen an, die sich als Anhänger*innen von mutmaßlich demokratieablehnenden Bewegungen zu erkennen geben. Das gemeinsame BrüG-Gespräch mit diesen – ungewohnten – Gesprächspartner*innen verzichtet aber auf alles politische Überzeugen-Wollen. Denn es soll ausdrücklich kein argumentatives Streitgespräch sein. Vielmehr möchte es vorrangig ein menschliches Verstehen des/r Anderen erreichen – wie auch ein Verständlich-Machen der eigenen Sorge um Demokratie, Freiheit und die Zukunft des Landes.

Fortbildung und Begleitung unterstützen den Erfolg der BrüG-Gespräche, die auf neue, zeitgemäße Art demokratisches Bewusstsein bilden.

Zum Projekt
 
Chill-chatten online – auf toxische Netz-Kommunikation einwirken und moderative Haltung gewinnen

Ob und inwiefern man auch für das Internet von einer sog. ‚stillen‘ gesellschaftlichen Mitte sprechen könnte, sei dahingestellt. Jedenfalls verspüren immer mehr Menschen im Blick auf heutige Onlinewelten das Bedürfnis, sich persönlich zu engagieren. Trotz der Schwierigkeit, angesichts von heftigen antidemokratischen oder zynischen Chat-Kommunikationen ruhig zu bleiben und eigene, passende Worte zu finden, wollen sie nicht mehr sprachlos zusehen.

Das Chill-Chat Konzept hat das Ziel, hilfreiche Chat-Techniken zu erproben und für Jugendliche und junge Erwachsene Übungsmöglichkeiten anzubieten. Diese erwerben so die Fähigkeit, in moderativ-dialogischer Weise auf menschenfeindliche, antidemokratische oder anderweitig toxische Chats einzuwirken, ohne sich zu Hitzigkeit, Frust oder Flucht verleiten zu lassen. Vor allem sammeln die Jugendlichen dabei kostbare Selbstwirksamkeits- und Engagement Erfahrungen, festigen ihre eigene Haltung und gewinnen an politisch-kommunikativem Bewusstsein, um für demokratie-abträgliche Situationen im heutigen (Sozialmedien-)Alltag vorbereitet zu sein. Der Chill-Chat-Ansatz wurde im Zuge des vorausgehenden Projekts „Chats, narrativ! In (Gaming-)Chats narrativ mitreden …“ erstellt. Er wird so bald wie möglich in Form von bedarfsgerechten Workshop-Formaten der kontinuierlichen Medienbildung an Schulen umgesetzt – wobei auch Perspektiven der Verstetigung in den Regelstrukturen des Bildungssystems erschlossen werden sollen.

Zum Projekt
 
Eingabe Nr. 2 zur kommenden Förderrichtlinie von ‚Demokratie leben!‘ – über Online-Maßnahmen

Unsere Handlungsempfehlungen an DL! unterstreichen die große Bedeutung, die Online-Sozialräume für die präventive und demokratiepädagogische Arbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen haben. Denn sie sind den schädlichen Einflüssen durch Desinformation/ Fake News, Online-Radikalisierung, Rekrutierung und Übergriffe besonders ausgesetzt. Deshalb haben auch wir seit vielen Jahren Arbeitsansätze im Onlinebereich entwickelt – Call of Prev, das genannte Chats, narrativ! sowie jüngst: „Chill-Chat – aufsuchender sozialer Dialog online durch Jugendliche …“.

Jedoch wollen wir – aus langjähriger Erfahrung – auch einige warnende Worte beitragen: Unsere Online-Maßnahmen sind stets Hybridformate, d.h. sie erschließen Off-Online-Schnittstellen in jugendlichen Lebenswelten. Die darin enthaltene pädagogische Offline-Arbeit ist essenziell. Denn schon vor 15 Jahren mussten wir – im Kreise vieler europäischer Kolleg*innen – recht einvernehmlich feststellen: Während das Internet hoch effektiv darin ist, Menschen zu radikalisieren und zu isolieren, stellt es einen häufigen Trugschluss dar, davon auszugehen, dass das Internet deshalb auch entsprechend stark zur Prävention beitragen könnte. Diese Skepsis hat sich seither auch in empirischen Befunden bestätigt. Deshalb wäre Vorsicht ratsam, wollte man heute in der Extremismusprävention eine generelle Maßgabe von ‘Analog-ist-Out’ ansetzen.

Hoch wirksam und dringend geboten ist allerdings, unser aller Arbeit an Off-Online-Schnittstellen – in Hybridformaten – weiterzuentwickeln und in den Regelstrukturen z.B. der schulischen Bildung und Erziehung zu verankern. Dies kann z.B. beim neuralgischen Thema ‚Klassenchats‘ beginnen – und sollte sich auch auf die Reflexion der tatsächlichen Online-Erfahrungen unserer Kinder und Jugendlichen erstrecken.

Eingabe Nr. 2 (PDF)
 
„Lass reden 2.0“ und „Dazusetzen & Mitreden“ – in Halle (Sachsen-Anhalt)

Auch bei lokalen Partnern in den Ländern gibt es seit einiger Zeit gute Nachrichten, die wir nicht übersehen sollten. Denn es ist auch dort aktuell eine erfreuliche Zunahme von Formaten der Dialogbefähigung im Gemeinwesen zu verzeichnen. Diese regen dazu an, jenseits von argumentativem Schlagabtausch und sozialer Vereinzelung die rar gewordene Kunst des aufsuchenden Gesprächs mit denjenigen Menschen zu pflegen, mit denen wir den Kontakt normalerweise nicht wagen, weil sich deren Sichtweisen mutmaßlich zu sehr von den unseren unterscheiden. Dies stellt eine sehr hoffnungsvolle Entwicklung dar. Entsteht doch die vielfach beschworene Mitte der Gesellschaft nur im Dialog: dia logos, „durch das Wort“, dem eigentlichen Medium von Demokratie.

Gerne weisen wir heute auf zwei lokale Initiativen von Trägern in Halle (Sachsen-Anhalt) hin. Im Zuge unserer Dialogarbeit – mit Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften – sind wir in den letzten Jahren vermehrt mit dialogorientierten Initiativen in unterschiedlichen Bundesländern in Austausch und Zusammenarbeit gekommen.

„Lass reden 2.0 – Kreisgespräche“ ist ein Format, in dem Schüler*innen und Jugendliche über das eigene Miteinander ins Gespräch kommen, Anpassungsdruck auflösen, Konflikte lösen, Übergriffe klären und zu konkretem Engagement gelangen. Dabei erwerben sie die Fähigkeit zu „gleichwürdiger Kommunikation“, zum gewalt- und überwältigungsfreien Miteinander und zum offenen Umgang mit Verschiedenheit. Diese Fähigkeiten sind ein unverzichtbarer Teil von demokratischer Persönlichkeitsentwicklung, die gerade auch in der schulischen Bildung noch mehr unterstützt werden muss.

Zur Fortbildung

„Dazusetzen & Mitreden“ hilft lokalen Gastgeber-Einrichtungen in Halle dabei, zu neuen Orten der Begegnung und des Austauschs zu werden, die als Gegenpol zu gesellschaftlicher Spaltung, Isolation und Sprachlosigkeit wirken. Entlang einer Linie vom Thematischen zum Persönlichen erfolgt zuerst ein kurzer Impuls, dann ein Austausch in den kleinen Gruppen eines „Dialogcafés“, ein moderierter Dialog in großer Runde – und letztlich der offene, informelle Austausch aller mit allen. Ideen, die zu gemeinsamem Handeln motivieren, können in Zukunftswerkstätten weiterentwickelt werden.

Mehr Informationen (PDF)

Die Dialog- und Gesprächsfähigkeit im Gemeinwesen bei Jung und Alt zu unterstützen – und Verbindungen herzustellen, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und divergierende Zonen der sozialen Medien in Berührung bringen – ist eine häufig vergessene Grundvoraussetzung, die Demokratien erfüllen müssen, um lebendig und überlebensfähig zu sein.

cultures interactive e.V.
Verein zur interkulturellen
Bildung und Gewaltprävention


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