Cultures Interactive im Mai 2026
NEWSLETTER Juni 2026

Im Browser öffnen
Klassenzimmer

cultures interactive im Juni 2026

 
Liebe Leser*innen,

Es hat uns letztens jemand gefragt…

„Wie geht es euch eigentlich gerade so bei ‚Demokratie leben!‘ – als bundesweiter Fachträger? Ihr seid doch jetzt alle abgeschafft – nach 25 Jahren aufreibender Arbeit, hohen Risiken, befristeten Einjahresverträgen, bis ins hohe Arbeitsalter? Und dann seid ihr doch echt gedemütigt worden, oder? Denn das Ministerium und ein paar Medien scheinen mächtig stolz: ‚Trara! 200 Förderungen eingestellt.‘ – Ha ha, Schenkel-klopf und so! … Fühlt sich für euch bestimmt nicht gut an. Da reißt man sich die Beine aus, mit Rechtsextremisten, Islamisten und Co., keine nette Aufgabe, nicht einfach, manchmal sogar gefährlich, all die Jahre … Und dann sowas! Die haben sogar gesagt, ihr hättet schlecht gearbeitet … nicht wirksam genug … zu wenig in der ‚stillen Mitte‘ … zu ‚woke‘ … und irgendwie faul. Einer nannte euch ‚linke Spinner‘ und ‚politische Vorfeldorganisation‘, eine ‚NGO‘ gar, was offenbar das neueste Schimpfwort ist. – Das hört sich doch alles ganz schrecklich an! Das lässt einen doch nicht kalt!? Was hätte man aus diesen 20 Jahren alles machen können!  Geld verdienen, Anerkennung für erbrachte Leistung bekommen, normal halt!– Aber so! -Vorzeitig beendet, irgendwie gedemütigt, aus dem Nichts, in diesen Zeiten!? … das muss sich doch entsetzlich anfühlen?!“

„Nun gut, was soll ich sagen!? Irgendwie war das …“   (Fortsetzung folgt in einem unserer kommenden Newsletter!)

Der gegenwärtige Fachdiskurs über „Demokratie leben!“ (DL!) – und über die künftige Förderrichtlinie für das Bundesprogramm – ist zweifellos von hoher Dynamik geprägt. Deshalb haben wir uns entschlossen, in der kommenden Zeit häufiger als zuvor unseren Newsletter auszusenden. Im Rückblick auf Arbeitserfahrungen in der Extremismusprävention seit 2005 haben wir bis dato drei fachliche Eingaben für die Politikgestaltung von DL! eingereicht. Auf sie wollen wir heute – und in den kommenden Newslettern – hinweisen, nebst einigen weiteren Neuigkeiten aus der fachlichen Arbeit von Cultures Interactive e.V.


Herzliche Grüße
das Team von Cultures Interactive

Eingabe Nr. 1 für die Neufassung der Förderrichtlinie von ‚Demokratie leben!‘ - Schule & Bildung

Unsere erste Eingabe an ‚Demokratie leben!‘ – im Handlungsbereich „Nachhaltige Demokratieförderung und Extremismusprävention in Schule & Bildung“ – unterstreicht die Herausforderungen und das große Potenzial der Schulen im Land. Denn gerade in herausfordernden Regionen gehören die Schulen mit zu den letzten Einrichtungen vor Ort, die einen demokratischen Wertekonsens aufrechterhalten können.

Unterschiedliche Berufsgruppen & Mitwirkende sind hierfür ausschlaggebend: Lehrer*innen & Schulleitungen, Schulsozialarbeiter*innen, Schulpsycholog*innen, kommunale Fachkräfte der sozialen Dienste und der non-formalen Bildung, Schulelternräte, Mitarbeitende der Landesschulbehörden u.a.

Angeraten sind dabei eine grundsätzlich phänomenübergreifende Perspektive auf alle Formen von Demokratiefeindlichkeit, Gewaltsamkeit sowie jugendliche Entwicklungsrisiken, eine enge Zusammenarbeit mit der Kommune – etwa im Anklang an den Community Health Ansatz Kanadas – und die Einrichtung von langfristig ansetzenden, intensivpädagogischen Verfahren im curricularen Kernbestand des schulischen Wirkens. Diese sollen wesentlich dazu beitragen, dass alle Schüler*innen, wo auch immer sie leben, in ihrer demokratischen Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden – und die hierfür erforderlichen kognitiven, emotionalen Kompetenzen wie auch ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten erwerben.

Eingabe (PDF)
 
Narrative Gesprächsgruppen® in Schule und Kommune – jetzt auch in Brandenburg und Sachsen

Oft bedarf es einer langjährigen Bundesförderung von Projektträgern, um Wirkung in Regelstrukturen vor Ort zu haben. Was wir jetzt seit über zehn Jahren praktizieren, mit teils kurzfristigen und prekären Finanzierungen, aber eben auch mit Bundesmitteln oder einmal auch mit einer Überbrückung durch das Landesprogramm von Sachsen-Anhalt: unser präventiv-pädagogisches Format der „Narrativen Gesprächsgruppen in Schulen“ (NGG) zur Stärkung des demokratischen Handelns bei Kindern und Jugendlichen – das soll nun in Brandenburg und in Sachsen längerfristig umgesetzt werden.

Sowohl Brandenburgs Ministerium für Bildung, Jugend und Sport als auch das sächsische Landesprogramm ‚Weltoffenes Sachsen‘ fassten – im Zuge unseres mehrjährigen fachlichen Austausches, auch mit Schulbehörden und kollegialen Landesträgern – den bildungspolitischen Entschluss, die NGG als mögliches Element einer kontinuierlichen demokratiepädagogischen Unterstützungsstruktur für Schulen in Betracht zu ziehen.

So soll in Südbrandenburg, im Raum Cottbus und Spremberg, ein lokales Team aufgebaut werden, im engen Austausch mit den Trägern der Gemeinwesen- und Jugendarbeit vor Ort sowie mit Hochschulen. Auch in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen war im Austausch mit langjährig erfahrenen Fachkräften die Notwendigkeit eines „Your Space“ an Schulen deutlich geworden. Denn Primärprävention ließ sich kaum mehr vermitteln – und dem dringenden Bedarf an einem niedrigschwelligen Modus der aufsuchenden Sekundärprävention an Schulen wird man erst mit Verfahren wie den Narrativen Gesprächsgruppen wirksam entsprechen können.

Durch beide Projekte konnte somit ein auf Bundesebene in DL! entwickelter pädagogischer Ansatz – der demokratiepädagogische Dialogbefähigung mit aufsuchender Distanzierungsarbeit verbindet – in das Umfeld von regelhaften Landesstrukturen gelangen. Wir werden über die weiteren Arbeitserfahrungen auf dem Weg zu einer möglichen Mitwirkung an verstetigten bildungspolitischen Antworten auf rechtsextreme & antisoziale Jugendsubkulturen berichten

 
Warum eigentlich braucht es bundesweite Strukturen der Rechtsextremismusprävention?

Diese Frage wollten wir ausdrücklich aufwerfen, nachdem die Streichung der bundesweiten Kooperationsverbünde (KV) in ‚Demokratie leben!‘ (DL!) im März angekündigt wurde – und offenbar 200 Projekte der Extremismusprävention zunächst wegfallen sollen. Was genau war und ist also unser Beitrag, seit 2005, als bundesweit arbeitender Verein – mit Zuständigkeit für Jugendliche, Schulen und Jugendeinrichtungen? Warum eigentlich sollte es unsere seither aufgebaute ‚Fachstelle Rechtsextremismusprävention - fa:rp' weiterhin bundesweit geben?

Einige der Antworten, die wir in einem kurzen ‚Q&A‘ unserer fachlichen Stellungnahme über die Notwendigkeit der fa:rp geben, sind sehr einfach:

Wenn die demokratiebelastenden Probleme z.B. in den weiterführenden Schulen sich trotz regionaler Besonderheiten deutschlandweit sehr ähneln, sollte man nicht überall das Rad neu erfinden. Bei 150-200 konkreten Anfragen pro Jahr an uns sind Effizienz, Unverzüglichkeit und Transfer entscheidend. Wenn zudem eine prägende Wirkung und Unterstützung für die Regelstrukturen in den Ländern erbracht werden sollen – gerade auch dort, wo die lokale Unterstützung nicht immer hinreichend gegeben ist – wird eine stabile bundesweite Struktur umso relevanter.

Im Grunde ist aber eigentlich schon auf den ersten Blick klar: Rechtsextreme Organisationen verfolgen schon sehr lange eine nicht nur bundesweite, sondern globale Strategie. Umso mehr muss auch die Prävention und Demokratieförderung eines Landes wie Deutschland ein versiertes Vorgehen mit bundesweiter und internationaler Perspektive entwickeln – und in kontinuierlicher Weise geeignete Strukturen aufbauen. Hierfür hatte Deutschland mit DL! tatsächlich schon einen sehr gangbaren Weg mit viel Entwicklungspotential eingeschlagen, um den uns andere Länder zurecht beneideten.

Stellungnahme (PDF)
 
Neu entwickelt: Checkliste für proaktive Demokratiestärkung in Schulen

In den letzten Jahren meldeten sich immer häufiger Lehrkräfte oder Schulsozialarbeitende bei uns, die mit den demokratie- und menschenfeindlichen Vorfällen in ihren Schulen nicht mehr zurechtkamen. In manchen Klassen könne kaum noch unterrichtet werden: Hakenkreuze an der Tafel, rechtsextreme Sprüche allenthalben, tätliche Angriffe auf demokratisch engagierte Schüler*innen, Eltern von Sprösslingen mit rechtsextremen Äußerungen, die diese gutheißen und verteidigen – und sich von Anwälten unterstützen lassen, die wiederum die oft verunsicherten Schulämter unter Druck setzen. Auch empirische Befunde bestätigen diesen Eindruck: Von 2023 bis 2025 stieg in Thüringen die Zahl der gemeldeten rechtsextremen Vorfälle an Schulen von 113 auf 198, in Sachsen von 149 auf 245, in Hessen von 39 auf 159, in Berlin von 74 auf 126 und in Rheinland-Pfalz von 25 auf 78. Jegliche schulische Bildungsarbeit in einem demokratischen Land ist durch solche Umstände ganz fundamental gefährdet – wie auch die Demokratie selbst – und es muss Abhilfe geschaffen werden.

Die Funktionen, die dabei unserer Fachstelle Rechtsextremismusprävention (fa:rp) zukommt, ist es, auf Anfrage die fachliche Beratung und Begleitung der Lehrkräfte und Schulsozialarbeitenden zu leisten, die wirksame Veränderungen erreichen wollen. Dabei legen wir langjährig erprobte pädagogische Verfahrenskonzepte für Schule und Jugendarbeit zugrunde.

Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir hierfür als zusätzliche Ergänzung kürzlich ein neues Praxis-Tool entwickelt, die „Checkliste für aktive Demokratiestärkung in Schulen“, die in aufsuchender Weise vor Ort oder Online in Lehrerkonferenzen vorgestellt werden kann. Die Checkliste – als Flyer hier demnächst abrufbar – erläutert Problemkriterien und bietet Empfehlungen für einen guten institutionellen und pädagogischen Umgang mit Rechtsextremismus und grundrechtswidrigem Verhalten. So soll es Schulen erleichtert werden, kompetent, eigenständig und von innen heraus eine effiziente und nachhaltige Bearbeitung in Gang zu setzen. Nach Möglichkeit erbringen wir ergänzend eine individuelle Beratung und Prozessbegleitung der Schulen, Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende sowie Anregungen für die direkte Arbeit mit Jugendlichen.

 
Fortbildungsreihe: Handlungskompetenzen für die pädagogische Arbeit

In den nächsten Monaten bietet cultures interactive e.V. eine Reihe ausgewählter und praxisorientierter Fortbildungen in verschiedenen Themenfeldern an. Im Zeitraum von Juni bis Oktober finden folgende Veranstaltungen statt:

  • 17. & 18.06.2026: Dialog im Gegenwind
  • 10.,17. & 24.09.2026: Antisemitismus erkennen, reflektieren, begegnen (Online)
  • 22. & 23.10.2026: Simson, Sandmann, Ostfluencer – Die Bedeutung ostdeutscher Identitäten in der Arbeit mit jungen Menschen
  • Termin folgt: Genderreflektierte Extremismusprävention

Angesprochen sind in erster Linie Mitarbeitende aus Schule und Jugendarbeit, politischer Bildung, Demokratie- und Präventionsarbeit sowie Moderator*innen und Mediator*innen.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

Zu den Fortbildungen
 
Zweites bundesweites Online-Vernetzungstreffen der Partnerschaften für Demokratie mit dem KompRex

Bürgerschaftliches Engagement gerät zunehmend unter Druck – auch durch strategische Angriffe rechtsextremer Akteure. Für die Partnerschaften für Demokratie (PfD), die demokratisches Handeln und Dialog vor Ort stärken, ist das längst Alltag. Umso wichtiger sind Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Vorgehen.

Im März 2026 lud cultures interactive e.V. im Rahmen des KompRex zum zweiten bundesweiten Online-Vernetzungstreffen ein. Rund 90 PfD aus 14 Bundesländern meldeten sich an. An zwei Terminen tauschten sich die Koordinierungs- und Fachstellen über aktuelle Herausforderungen und gelingende Praxis in der örtlichen Rechtsextremismusprävention aus.

Ausgangspunkt war eine gemeinsame Bestandsaufnahme: Viele Teilnehmende berichteten von rechtsextremen Anfeindungen, Störversuchen und politischen Einflussnahmen auf lokale Demokratieförderung. Auch verspätete Mittelbereitstellungen und neue Förderauflagen wurden dabei als erhebliche Belastung beschrieben. Diskutiert wurde zudem die Idee eines bundesweiten PfD-Sprecher*innenrates. Neben den aktuellen Problemlagen standen aber auch gelungene Ansätze aus der Praxis im Mittelpunkt – etwa Präventionsarbeit an Schulen, niedrigschwellige Angebote an zielgruppenspezifischen Orten oder Pop-up-Formate im öffentlichen Raum. Für Herbst 2026 ist ein weiteres, vorerst letztes Treffen geplant, da die Arbeit der Kooperationsverbünde nach aktuellem Stand zum 31.12.2026 endet.

cultures interactive e.V.
Verein zur interkulturellen
Bildung und Gewaltprävention


Mainzer Str. 11
12053 Berlin

info@cultures-interactive.de
Tel: +49 30 60 40 19 - 50
Fax: +49 30 60 40 19 - 46

Impressum

Datenschutz
Haftungsausschluss

Ich möchte mich von diesem Newsletter-Verteiler abmelden.
Ich möchte keine Nachrichten mehr von cultures interactive e.V. erhalten.




 Facebook  Twitter  Web  Instagram  Youtube