Cultures Interactive im Oktober 2025
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cultures interactive im Oktober 2025

 
Liebe Leser*innen,

wie man Demokratie und Menschenrechte wirksam schützen kann, wird derzeit aus gutem Grund viel diskutiert – in den Medien, Parteien, Behörden und auch auf kommunaler Ebene, etwa in Stadträten, Vereinen, Kirchengruppen, Jugendhilfeausschüssen oder Schulen. Jedoch führt die Frage, was demokratisches Selbstverständnis und freiheitliche Grundordnung wirklich bedeuten, teils zu unversöhnlichem Streit. Auch wird das Gespräch zunehmend durch die Agenda von rechtsextremen Organisationen unterwandert. Dabei scheint es auch in der gesellschaftlichen Mitte üblich zu werden, diejenigen der „linken Propaganda und Ideologisierung“ zu bezichtigen, die für eine Förderung von Demokratiebewusstsein und Menschenrechtlichkeit arbeiten. Das ist riskant und entspricht leider genau der Strategie der extremen Rechten, auf diese Weise Demokratie zu unterlaufen.

Dabei zeigt der Blick in die Verfassungsschutzberichte und Kriminalitätsstatistiken deutlich: Zivilgesellschaftliche, gemeinnützige Vereine (NGOs), die Prävention von gruppenbezogenem Hass und Rechtsextremismus – gerade bei jungen Menschen – unterstützen können, sind dringlicher denn je. In Deutschland wurde über die letzten Jahre ein professionelles, systemisch ineinander wirkendes Netz für Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention aufgebaut. Dieses Netz wirkt durch seine erfahrenen Fachkräfte. Die beraten und bilden Regelstrukturen aus Bildung, Jugendarbeit und kommunaler Arbeit fort. Sie bieten Distanzierungs- und Ausstiegstrainings an, auch im digitalen Raum. Andere unterstützen Betroffene von Gewalt. Das ist angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen unverzichtbar.

In diesem Newsletter stellen wir einige Angebote und Beispiele unserer Arbeit vor:  Fortbildungen zur Antisemitismusprävention im Kontext vom „Nahostkonflikt“, die vor allem Handlungskompetenzen zur demokratischen Dialoggestaltung mit Jugendlichen stärken, oder ein Workshop der aufsuchenden politischen Bildung durch den Jugendkulturansatz. Besonders spannend war Anfang Oktober eine Pilot-Fortbildung, die sich mit der Bedeutung von ostdeutscher Identität und Transformationserfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen beschäftigt hat. Hier bleiben wir auf jeden Fall am Ball.


Herzliche Grüße
das Team von Cultures Interactive

Dialogfähigkeit stärken. Auf Antisemitismus antworten.

Fortbildung für Fachkräfte und Engagierte zur dialogorientierten Bearbeitung von Antisemitismus und Konflikt

Um Antisemitismus wirksam begegnen zu können, braucht es neben profundem fachlichen Wissen vor allem eines: kommunikatives Geschick.  Denn Antisemitismus ist eine stark emotionale und emotionalisierende Weltanschauung. Dabei führt nicht zuletzt der aktuelle Konflikt im sogenannten Nahen Osten zu einer stark affekthaft aufgeladenen und polarisierenden Diskurskultur, die auch in der Berliner Zivilgesellschaft spürbar ist.

cultures interactive e.V. hat im Rahmen des Projekts „Antisemitismus im engagierten Gespräch überwinden“ (Okt. 2024 – Aug. 2025), gefördert vom Aktionsfond gegen Antisemitismus der Berliner Senatsverwaltung, einen Zertifizierungskurs für zivilgesellschaftlich engagierte Berliner*innen entwickelt. Der Kurs „Dialogfähigkeit stärken – auf Antisemitismus antworten“ zielt darauf, Teilnehmer*innen zu Expter*innen der kommunikativen Bearbeitung von konflikthaften Situationen, in denen Antisemitismus (möglicherweise) eine Rolle spielt, auszubilden.

Zum Angebot 
 
Fortbildung

Foto: Unsplash / Sincerely Media

(Nahost)konflikt im Jugendclub?! – Trotzdem sprechen!

Fortbildung für Fachkräfte der Jugend(sozial)arbeit in Friedrichshain-Kreuzberg

Diskussionen über den sogenannten Nahostkonflikt sind nicht selten von Polarisierung, starken Emotionen und scheinbar unauflösbaren Widersprüchen geprägt. Eine Herausforderung stellt dies nicht zuletzt auch für pädagogische Fachkräfte dar; etwa dann, wenn der Nahostkonflikt – z.B. in Schulen oder Jugendclubs – zum (Streit-)Thema wird und es hierbei zu Grenzüberschreitungen kommt.

Vor diesem Hintergrund führt cultures interactive e.V. im Oktober und November in Kooperation mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und mit Mitteln der Landeskommission Berlin gegen Gewalt drei Fortbildungen durch, die sich an Fachkräfte aus der Jugend(sozial)arbeit im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg richten. Schwerpunkte der Veranstaltungen liegen zum einen auf der Vermittlung von Hintergrundwissen sowie der Befähigung zur wechselseitigen Perspektivübernahme und Reflexion der pädagogischen Rahmenbedingungen. Zum anderen werden Deeskalations- und Erstreaktionskompetenzen gestärkt und narrative Methoden in der Gesprächsführung eingeübt, um einen professionellen Umgang mit herausfordernden Situationen im Kontext des Nahostkonflikts zu festigen. 

Die Fortbildungen finden jeweils zweitägig an den folgenden Terminen statt:

  • 30. & 31. Oktober 2025
  • 06. & 07. November 2025
  • 24. & 25. November 2025

An allen Terminen sind noch freie Plätze verfügbar. Für eine Anmeldung oder bei Nachfragen kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail unter:

nvoegeding@cultures-interactive.de.

Alle Informationen zur Fortbildung
 
Chats, narrativ!

Projektabschluss bis Ende des Jahres

Chatverläufe, die von gewaltsamen und antidemokratischen Akzenten bestimmt sind – sei es auf Social Media-Kanälen, Messengern, auf Discord-Servern, Gaming-Portalen oder in Spielen – und in denen verächtlich über Personen(gruppen) gesprochen wird, sind oft bestürzend und machen hilflos. Um dem etwas entgegenzusetzen, erprobt ein sechsköpfiges Team des Projekts „Chats, narrativ“ seit Juni Interventionsstrategien, die ermöglichen, im Gespräch zu bleiben und wirksam Anstöße zur Reflexion und Veränderung zu geben. Parallel werden die Zugänge regelmäßig mittels Methoden der rekonstruktiven sozialen Arbeit ausgewertet und nachjustiert. Erste Erkenntnisse zeichnen sich bereits ab: Einen „One fits all“-Satz scheint es nicht zu geben. Zugewandte Fragen, die sich gegenüber Gefühlsäußerungen und Erlebnisschilderungen offen zeigen, werden allerdings häufig mit Misstrauen beantwortet – die Adressierten scheinen sich unsicher zu sein, ob das Interesse ernst gemeint ist oder sich gerade jemand über sie lustig macht. Das mag (auch) Hinweise darauf geben, welche Kommunikationsstile in extrem rechten Kontexten häufiger anzutreffen sind.

Die Erkenntnisse des Projekts werden Anfang 2026 in einer Broschüre vorgestellt.

Zum Projekt
 
Graffiti auf einem Container

Foto: Marie Jäger 

Graffiti Workshop in Bautzen

Am 26. und 27.10. wurde der Container am Skatepark Bautzen im Rahmen eines Workshops von ca. 20 Jugendlichen mit Graffiti neugestaltet. Zwei Teamer*innen von Cultures Interactive e.V. reisten an, um, organisiert vom Steinhaus Bautzen, mit den Teilnehmenden über Anliegen an das Miteinander im Skatepark zu sprechen, Ideen für die Gestaltung zu entwickeln und bei der Umsetzung zu helfen. Am Freitag lag der Schwerpunkt auf dem Sammeln von Ideen und ersten Skizzen, die Wand am Skateboard wurde zum Üben genutzt. Schon die Resultate dieser Session konnten sich sehen lassen. Am Samstag ging es schließlich an den Container – allen Herausforderungen (zum Beispiel der Beschaffenheit der Containerwand) zum Trotz war es nach einem Tag Sprayen, Beraten, Überarbeiten geschafft. Neben dem Container wurden von den Jugendlichen auch Beutel und Federtaschen gestaltet. Wir freuen uns über das Ergebnis!

Zum Instagram der Initiative
 
Simson, Sandmann, Ostfluencer

Fortbildung zur Bedeutung ostdeutscher Identitäten in der Arbeit mit jungen Menschen

Am 9.10. fand zum ersten Mal die neu konzipierte Fortbildung „Simson, Sandmann, Ostfluencer. Die Bedeutung ostdeutscher Identitäten in der Arbeit mit jungen Menschen“ statt, die bereits im Vorfeld auf reges Interesse gestoßen war. Themen der Fortbildung waren die Transformationsgesellschaft, Unterschiede zwischen Ost und West, die auch 35 Jahre nach der „Wiedervereinigung“ bestehen, und Jugend(kulturen) in der DDR und Ostdeutschland von 1980 bis heute. Der Fokus der Fortbildung lag dabei auf Wissensvermittlung und Haltungsarbeit, ebenso wie auf der Frage, wie mit jungen Menschen zum Thema Ostidentität gearbeitet wird bzw. ihre Auseinandersetzung damit aufgefangen werden kann. Die Fortbildung war nicht zuletzt aufgrund der vielen spannenden Beiträge und Diskussionen sehr gelungen, die Teamenden von Cultures Interactive e.V. haben viele Ideen für die Weiterentwicklung der Fortbildung mitgenommen.

Die Termine für weitere Fortbildungsangebote zum Thema im nächsten Jahr werden zeitnah auf der Homepage bekannt gegeben.

 
Deine Stimme für "Dorf macht Oper"

Nominierung zum Deutschen Engagementpreis

Cultures Interactive freut sich sehr über seine lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der FH Potsdam und dessen InNoWest-Programm. Denn dies erlaubt es uns, direkt vor Ort und eng mit einzelnen Landkreisen – besonders in der Prignitz – in Austausch zu kommen und die dortigen Bedarfe so gut wie möglich aufzunehmen. Umso lieber machen wir auf Folgendes aufmerksam:

Der gemeinnützige Verein FestLand e.V. bringt seit über 20 Jahren die Oper aufs Dorf in Klein Leppin. Viele begeisterte Besucher erleben alljährlich ein Opernwochenende im kleinen Prignitzdorf. Das einzigartige Kulturprojekt bringt Menschen aus dem gesamten Umland zusammen. Kunst zum verbindenden Element und zum festen Bestandteil des Lebens in der Prignitz – gestaltet von den Menschen selbst, auf und hinter der Bühne. Im umgebauten Schweinestall, dem „FestSpielHaus“, wird Musiktheater lebendig, und klassische Stücke wie Don Quijote oder Rusalka werden auf kreative Weise mit aktuellen Themen verknüpft: Flucht und Migration, Klimawandel oder Massenmedien. Der Verein hinter dem Projekt schafft Räume für künstlerisches Ausprobieren, interkulturellen Austausch und Gemeinschaft.

Für dieses Engagement wurde der Verein für den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2025 nominiert und hat so die Chance, beim bundesweiten Publikumspreis noch mehr Menschen zu erreichen und so mehr kulturelle Teilhabe im ländlichen Raum zu bewegen. Bis zum 26. Oktober können Sie für das Projekt von FestLand e.V. abstimmen. Jede Stimme zählt!

Zur Abstimmung
Logo Demokratie leben!

Die Fachstelle Rechtsextremismusprävention von Cultures Interactive wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Für inhaltliche Aussagen und Meinungsäußerungen tragen die Publizierenden dieser Veröffentlichung die Verantwortung.

cultures interactive e.V.
Verein zur interkulturellen
Bildung und Gewaltprävention


Mainzer Str. 11
12053 Berlin

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Fax: +49 30 60 40 19 - 46

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